Kerstin Tack zu den diskriminierenden Äußerungen von GDL-Chef Claus Weselsky

Pressemitteilung
 

In seiner Rede anlässlich des Aktionstages der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am 27. August 2014 äußerte der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky den Satz „Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus!“. Die hannoversche Bundestagsabgeordnete und behindertenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion reagierte am 4. September 2014 mit folgendem Schreiben auf diese Äußerung:

 

Sehr geehrter Herr Weselsky,

mit Entsetzen habe ich Ihre Aussage auf dem Aktionstag der GDL am 27. August 2014 in der Fuldaer Esperanto-Halle „Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus!“ zur Kenntnis genommen.

Rund 17 Millionen der in Deutschland lebenden Menschen im Alter von über 18 Jahren leben mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Behinderungen und chronischen Krankheiten. 13.000 von ihnen sind als Ihre Kolleginnen und Kollegen tagtäglich für die Deutsche Bahn im Einsatz.

Noch heute, 69 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, kämpfen Menschen mit Behinderungen und ihre Interessenverbände für gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und für Selbstbestimmung. Vor diesem Hintergrund wirkt Ihre Aussage wie ein Schlag ins Gesicht all derjenigen Menschen, die tagtäglich mit einer Beeinträchtigung und sozialer Stigmatisierung zu kämpfen haben.

Im steten Ringen um die Durchsetzung eigener und gegenläufiger Interessen ist es zuweilen notwendig, ungewöhnliche Metaphern und eine harschere Wortwahl zu gebrauchen. Äußerungen wie die von Ihnen getätigte, sind für mich als Politikerin und Gewerkschafterin jedoch nicht tolerierbar, da sie bedeutende menschliche Fähigkeiten und gesellschaftliche Werte wie Empathie und Solidarität gänzlich vermissen lassen. In Ihrer öffentlichkeitswirksamen Position als Bundesvorsitzender der GDL tragen Sie auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Ich hoffe, dass dieser im Rahmen Ihrer zukünftigen Reden und Äußerungen ausreichend Rechnung getragen wird.

 

Mit freundlichen Grüßen

Kerstin Tack, MdB