Arbeit 4.0 – Chancen oder Risiken?

 
Foto: Kerstin Tack
 

Große Trends verändern unsere Arbeitswelt nachhaltig: Digitalisierung, Globalisierung, demografischer Wandel, Bildung und Migration sowie der Wandel von Werten und Ansprüchen. In welcher konkreten Form und in welchem Ausmaß Entwicklungen eintreten, ist offen. Aus diesem Grunde diskutierten Dr. Hella Baumeister, Arbeitsmarktexpertin, Cornelia Klaus vom GründerinnenConsult von hannoverImpuls, Edeltraut Glänzer, stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BCE und Kerstin Tack, MdB mit interessierten Frauen über dieses spannende Zukunftsthema. Die Moderation übernahm Lea Arnold, Gewerkschaftssekretärin des DGB.

 

Absehbar ist ein Wandel von Berufen und Tätigkeiten. Nach einem Impuls von Kerstin Tack stellte Dr. Hella Baumeister sehr interessante Zahlen und Fakten aus der Arbeitswelt von Frauen vor, angefangen bei der Feststellung, dass lediglich 27 % der weiblichen Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert sind. Dies könnte zu einem Grundrisiko für Frauen im Zeitalter der Digitalisierung werden. Frau Baumeister wünscht sich daher mehr Vernetzung und einen höheren Organisationsgrad bei Frauen. „Glücklicherweise sind soziale Berufe, in denen Frauen vielfach arbeiten, wenig durch Technik austauschbar. Das Gleiche gilt für Kundenberatung und Verkauf. Dennoch sind die Auswirkungen der Digitalisierung noch nicht abschließend geklärt“, so Baumeister. Stark gefährdet seien vor allem Büro- und Bankkauffrauen, sowie Berufe mit körperlicher Arbeit, da diese durch Roboter ersetzt werden könnten.


Cornelia Klaus brachte ihre Erfahrungen aus dem Selbständigensektor ein und sieht Chancen durch die Digitalisierung. Dadurch haben sich mehr Formen der Selbständigkeit entwickelt. „Frauen gründen seit einiger Zeit überproportional häufig ein Unternehmen oder ein StartUp, allerdings hängt Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor hinterher“, so Klaus. Viele Unternehmen würden sich aus dem technischen Fortschritt ergeben.


Die gewerkschaftliche Sicht auf die Problematik lieferte Edeltraut Glänzer. Demnach sei es wichtig und richtig, dass Frauen stärker in berufliche Weiterbildung eingebunden werden. „Bildung und Weiterbildung sind der Schlüssel dazu, dass gerade Frauen bei der schnellen technischen Entwicklung Schritt halten können“, so Glänzer. Sie wirbt außerdem für ein Rückkehrrecht aus der Teilzeit, für Höchstarbeitszeiten und für eine Weiterentwicklung des Betriebsverfassungsgesetzes.
„Mit dem Pakt für anständige Löhne und dem Weißbuch Arbeit 4.0 hat Andrea Nahles einen wichtigen Grundstein für die gute Arbeit der Zukunft gelegt. Jetzt geht es darum, die Arbeitsbedingungen aktiv zu gestalten und zu verbessern. Gerade die Qualifizierung ist von großer Wichtigkeit. Daher möchte ich, dass die Agentur für Arbeit zu einer Agentur für Arbeit und Qualifizierung weiterentwickelt wird“, so Kerstin Tack. Gerade große und mittelständische Unternehmen seien massiv von der Digitalisierung betroffen und würden die Auswirkungen am stärksten zu spüren bekommen. Für Kerstin Tack sei es, gerade wenn es um die Arbeitsplätze von Frauen geht, immens wichtig, neue Wege zu beschreiten und Experimentierräume zu schaffen. Es soll sich durch die Praxis zeigen, welche Arbeitszeitmodelle oder Arbeitsweisen zukunftsfähig und gesetzesreif werden könnten. Dabei kamen viele gute Anregungen auch aus dem Publikum.

Das Fazit der Veranstaltung war, dass Digitalisierung die Chance auf eine selbstbestimmtere Arbeit, auf Flexibilität und unterschiedlichste Arbeitszeitmodelle bietet, aber auch die Gefahr von Entgrenzung und Überforderung, gerade wenn es um das Thema „Ständige Erreichbarkeit“, „Homeoffice“ und „Mobile Arbeitsplätze“ geht. Viel Gesprächsstoff für zwei Stunden und die Diskussionen darüber werden sicherlich noch weitergehen.

Frauen-Veranstaltung IGBCEFoto: Kerstin Tack

Cornelia Klaus, Dr. Hella Baumeister, Kerstin Tack, Edeltraut Glänzer und die Moderatorin Lea Arnold (v.l.n.r)